Zur Landtagswahl in Rheinland-Pfalz am 22.03.2026 haben wir den Kandidatinnen und Kandidaten der verschiedenen Parteien einen Fragenkatalog übergeben, der die verschiedensten Aspekte rund um den geplanten Windpark im Dreigemeindewald anreißt. Hier die übermittelten Fragen:
Wie gehen Sie mit der derzeit unzureichenden Berücksichtigung des Natur- und Artenschutzes bei der Planung vieler Windenergieprojekte nahe oder in ökologisch sensiblen Gebieten um, was dem EU-Naturschutzrecht widerspricht?
Wie rechtfertigen Sie die Gesetzesänderungen, die Umweltverträglichkeitsprüfungen in Bezug auf den Windkraftausbau vereinfachen oder gar umgehen, sodass negative Auswirkungen auf Natur und Mensch weitreichend außer Acht gelassen werden? Verstößt diese Vorgehensweise nicht gegen das Vorsorgeprinzip?
Wie steht es um die nachhaltige Raumentwicklung, wenn beim Ausbau der Windkraft der Landschaftsschutz bei Windvorrangflächen kaum noch von Bedeutung ist, da diese oft ausschließlich nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten ausgewählt werden?
Wie möchten Sie die intransparente und zu kurze Beteiligung der Bürger beim Ausbau der Windkraft in heimatnahen Gebieten und die damit einhergehende Vertrauenskrise bewältigen?
Wie rechtfertigen Sie die Rodung und dauerhafte Zerstörung komplexer Waldökosysteme für Windparks, wo doch Waldstandorten in Bezug auf Biodiversität sowie Klima-, Boden- und Trinkwasserschutz bekanntlich eine besonders bedeutende Rolle zukommt? Aufforstung an anderer Stelle kann ein bestehendes Waldökosystem keinesfalls ersetzen, da dieses Jahrhunderte für seine Entstehung benötigt.
Nachgewiesen ist, dass Windparks, die in naturnahen Erholungslandschaften errichtet werden, im Naturtourismus Einbußen nach sich ziehen. Wie möchten Sie auf diese Problematik zugehen?
Wird die Naturlandschaft der Heimat vertechnisiert, wie es derzeit durch die Planung und Errichtung von Windindustrieanlagen im Wald der Fall ist, kann dies, sowohl psychologischen Studien als auch der eigenen Erfahrung zufolge, zu emotionaler Entfremdung führen und sich nachteilig auf die Lebensqualität auswirken. Wird diese Problematik in zukünftigen Planungen eine Rolle spielen?
Durch den Ausbau der Windkraft in ökologisch sensiblen Gebieten werden derzeit Natur- und Klimaschutz zu Gegenspielern gemacht. Die Artenkrise gegenüber der Klimakrise zu vernachlässigen, ist der Wissenschaft zufolge ein schwerwiegender Fehler. Die Krisen sollten bei der Suche nach Lösungen gleichwertig behandelt werden. Wie möchten Sie mit dieser Problematik umgehen?
Die Bürgerbefragung im Rahmen des Kreisentwicklungskonzepts Landkreis Vulkaneifel 2025 hat u.a. ergeben, dass 83 % der Teilnehmenden die landschaftliche Besonderheit der Vulkaneifel schätzen.
Den Teilnehmenden gefällt am Landkreis sehr gut: die Natur, die Landschaft, die Nähe zur Natur, die damit verbundene Ruhe, die Lage des Landkreises, weitere ökologische Aspekte.
Den Teilnehmenden gefällt am Landkreis nicht so gut: die wahrgenommene Zerstörung von Natur und Landschaft.
Von hoher Relevanz war für die Teilnehmenden: Naturschutz und Landschaftserhalt.
Von geringster Relevanz: Ausbau der Gewinnung und Nutzung erneuerbarer Energien.
Wie werden Sie als potenzieller zukünftiger Vertreter der Bevölkerung der Vulkaneifel dazu beitragen, dass dieser Volkswille im Landkreis gebührend berücksichtigt und umgesetzt wird?
Und wie stehen Sie angesichts dieser Umfrageergebnisse zu den weitergehenden Planungen im Landkreis Vulkaneifel, immer noch mehr Landschafts- und Naturzerstörung durch Windindustrieanlagen in Naturräumen und im Wald voranzutreiben?
Wie verträgt sich (Argumente?) der Bau von WEA in Wäldern/Natur- und Landschaftsschutzgebieten mit dem dort vereinbarten Naturschutz?
Wie stehen Sie zu der aktuellen in Deutschland subventionsgesteuerten Energieerzeugung?
Wer sichert die Ertragszusagen der WEA- Projektierer im Fall von Subventionsstreichungen/Insolvenzen ab?
Was passiert mit aus evtl. wirtschaftlichen oder technischen Gründen nicht mehr betriebenen WEA?
Wie ist es möglich, die wunderbare Natur und den Tourismus als wirtschaftliche Basis der Eifel hochzuladen und gleichzeitig deren Zerstörung voranzutreiben?
Das Ziel des Landes ist es, bis 2030 den Strombedarf zu 100 Prozent aus „erneuerbaren“ Energien zu decken Dafür sollen 2,2 Prozent der gesamten Landesfläche bis dahin für den Bau von Windindustrieanlagen freigegeben werden, von der Region Trier sind laut Gesetz 2,45 Prozent ihrer Fläche beizusteuern.
Warum glauben Sie, dass es eine Deckung von Energieverbrauch und Energiegewinnung aus Windkraft und Freiflächenfotovoltaik geben kann. Warum glauben Sie, dass bei Erreichung dieses Ziels ein weiterer Hunger nach Energie nicht mehr gegeben sein wird. Was aber, wenn doch (Stichwort: Jevons’ Paradox)?
Wie stellen Sie sich die Vulkaneifel im Jahre 2030, 2040 und 2050 vor?
Jede einzelne Windanlage erfordert Zement, Sand. Stahl, Zink, Aluminium und zig Tonnen Kupfer für Generator, Getriebe, Transformator und endlose Kabelstränge. Zehntausende Tonnen Erz werden dafür z.B. in Südamerika ausgebeutet – und den Bauern dort das Wasser abgegraben. Das Aluminium kommt aus Guinea, sein Abbau hinterlässt einen von schon 32.000 Giftseen auf der Erde. Die Gewinnung einer Tonne Neodym für Windanlagen, setzt 77 Tonnen CO2 frei! Soll nicht gerade dieses Gas vermieden werden? Somit werden Lagerstätten des armen Südens ausgebeutet, damit der Norden „energiewenden“ kann. Die Windkraft hier massiv auszubauen, heißt nichts anderes, als massive Umwelt- und Gesundheitsprobleme bewusst in „Klimakolonien“ zu verlagern. Eine Doppelmoral!
Wieviel Tonnen CO2-Einsparung entsprechen somit Ihrer Meinung nach einem Hektar zerstörtem Tropenwald, einem Meter Grundwasserabsenkung oder auch das Leben eines Bauernkindes?
Die Physik sagt „Energiewende durch Windkraft ist physikalisch unmöglich“. Glauben Sie der Physik? Wenn ja, wird sich Ihre Politik daran orientieren? Wenn nein, was glauben Sie?
Wo soll in Ihrer politischen Arbeit Ethik als Grundlage Ihres Tun zum Ausdruck kommen? Was ist Ihre ethische Grundlage?
Wieviel Euro empfehlen Sie den Gemeinden pro Windrad anzusparen für den Rückbau?
Von welchem Geldtopf?
Wer genau bezahlt die Gerichtskosten, wenn eine Gemeinde einen Windenergie-Projektierer verklagen will wegen Nichterfüllung von Teilen des Vertrags? Wieviel Prozent der Kosten trägt das Land? Bis zu welcher Höchstsumme?
Wer garantiert den Ortsgemeinden und anderen Landeigentümern auf welche Weise die Pacht und die Gewinnbeteiligung an einer Windenergieanlage, falls diese politisch nicht mehr gewünscht werden sollte oder nicht mehr gebraucht würde?
Wie genau werden Sie als Land RLP dafür sorgen, dass unser Naherholungsgebiet Eifel nicht für Windenergie von riesigen Transporttrassen zerschnitten wird?
Wie genau wollen die politisch Verantwortlichen garantieren, dass eine Windenergieanlage die Trinkwasserspeicher der Region in Grundwasser und Buntsandstein-Untergrund nicht verunreinigen?
Was genau wollen Sie tun, wenn dies doch einmal geschieht?
Wie verhindert Ihre Fraktion, dass die Seltenen Erden in den Windkraftanlagen der Eifel aus chinesischer oder anderer Sklavenarbeit kommt, jetzt, wo das europäische Lieferkettengesetz nicht mehr ernsthaft greifen kann?
Wie verhindert Ihre Fraktion, dass die Flügel der Windkraftanlagen in der Eifel aus ecuadorianischem Balsaholz stammen, das dort in Monokulturen den Urwald vernichtet?
Wie erreicht Ihre Fraktion, dass beim Emissionshandel zusätzlich eingekaufte Verschmutzungsrechte nicht als Ausgleichszahlungen an umweltzerstörende Großprojekte in aller Welt gehen?